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 Betreff des Beitrags: Trassen ohne Bahn
BeitragVerfasst: So 24. Sep 2017, 13:09 
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Oberbetriebsmeister
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Registriert: So 18. Okt 2015, 20:20
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Wohnort: Köln
Fahrradtouren und oft auch Vorlagen für den Nachbau.

In loser Folge werde ich hier ehemalige Strecken vorstellen,die heute als Radwege genutzt werden.

Als in den 90er Jahren die ersten Bahntrassenradwege eröffnet wurden, war ich hell begeistert. Schon als Jugendlicher, Mitte der 70er Jahre, hatte ich während alljährlicher Fahrradreisen angesichts von Strecken, denen die baldige Stilllegung drohte, davon geträumt, irgendwann solche Trassen wenigstens mit dem Fahrrad bereisen zu können, aber nicht an so etwas geglaubt.
Die ersten Strecken, die ich kennenlernte, waren alle in Rheinland-Pfalz. Der heutige Schinderhannesweg Emmelshausen – Simmern endete damals noch vor dem Bahnhof Pfalzfeld. Die Eifel-Pellenz Strecken südlich Mayen waren von Köln aus auch im Rahmen einer Tagestour zu erreichen. Für den Maare-Mosel Weg musste es schon ein Wochenende sein.
An Bahntrassenradelei direkt vor den Toren Kölns war in den 90ern noch nicht zu denken. Das hat sich mittlerweile geändert. Und zwar so schnell, dass ich manches zuerst gar nicht mitbekommen habe.

Folge 1: Balkan 2017/09/23

Gestern war ich auf einer Strecke unterwegs, die es abschnittsweise erst seit 2014 als Radweg gibt. Da ich derzeit im Kölner Norden wohne, erfolgte auch die Anreise per Rad. Im Vorgriff auf den weiteren Ausbau zeigte mir die Landkarte im Telefon einen Abschnitt, den es noch gar nicht gibt und der erst nächstes Jahr dazu kommen wird.
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Die Hoffnung, die Sache sei bereits so weit vorbereitet, dass der Abschnitt bereits befahrbar sei, trog natürlich.

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Bei näherer Betrachtung zeigt die mobile Fahrradkarte, dass es aktuell ein bisschen umständlich ist, den Startpunkt zu erwischen. Bzw. zog ich es vor, erst einige hundert Meter später auf die Trasse zu wechseln.

Dann ging es stetig bergauf. „Balkan“ ist ein bisschen übertrieben, aber ohne Frage ist das Terrain rechts und links der Trasse ausgesprochen bucklig:
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Das ist ja auch der Sinn der Trassenradelei, sich komfortabel durch Gegenden zu bewegen, die ansonsten zum Radfahren ungemütlich wären.
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Blick in Tal.
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Schon beim Passieren der ersten Haltepunkte war mir aufgefallen, dass die Steigung nicht unterbrochen ist. Das gilt auch für diesen ehemaligen Bahnhof.
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Eine Gleisplanskizze mit Stand um ca. 1970 gibt es hier. http://kbs411.com/KBS%20411/Hilgen.html

Was in diesem Zeitungsartikel über den Betrieb nach 1945 geschrieben wurde, kann ich also kaum glauben.
http://www.ksta.de/eisenbahngeschichte-aus-pattscheids-grossen-zeiten-12778744

Am Radweg sind noch beide Bahnsteigkanten erhalten, liegen in der Steigung, und nirgends ist zu erkennen, dass die höher gelegenen Gütergleise jemals von unten her erreichbar waren.
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Mittlerweile fühlte ich mich in das Jahr 1972 zurück versetzt, war kein Fahrrad, sondern eine Gremberger 055er mit einem schwerem Fotogüterzug am Haken, bis an die Leistungsgrenze gefordert.

Dass es auf der Balkanstrecke einmal eine spektakuläre Sonderfahrt gegeben hat, ist hier auf dem ersten Bild zu sehen.
http://www.bahnen-wuppertal.de/html/oberberg-balkanstrecke.html

Burscheid war dann die erste Station, wo die kontinuierliche Steigung kurz unterbrochen ist. Der Versuchung, hier bereits Weizenwasser zu fassen, widerstand ich dennoch, hielt mich stattdessen an die braune Limo in der Tasche.

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Kunstbauten sind im unteren Abschnitt kaum original erhalten. Brücken und Unterführungen sind entweder modifiziert oder die Einschnitte einfach über längere Abschnitte aufgeschüttet, sodass Straßen ebenerdig gekreuzt werden. Als 55er mit Fotogüterzug hatte ich mit den plötzlichen Neigungswechseln natürlich einige Schwierigkeiten. Schleudern konnte so gerade eben vermieden werden.
Schon mehrmals waren mir unterwegs Graffiti aufgefallen, aber ich hatte keine Lust gehabt, alle paar hundert Meter anzuhalten und mit dem Fotogüterzug wieder anzufahren.
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Die ersten Graffiti, die ich jemals gesehen hab, Ende der 70er Jahre bei der Annäherung an München, noch weit vor Pasing, haben mir übrigens sehr gut gefallen. Das hier ist ganz niedlich, aber anders als die damaligen nicht Kunst zu nennen.
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Ein 515er Akku-Tw, wie sie in den letzten Jahren der Bahnstrecke unterwegs waren, möchte ich auf der Strecke auch nicht gewesen sein. Die Grafik in dem roadbook (pdf) zeigt, warum:
http://www.achim-bartoschek.de/pdf/roadbook_balkantrasse.pdf

Hier noch zwei Unterführungen:
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Erst seit vier Wochen habe ich eine offline Wander/Fahrradkarte von ganz Europa auf dem Telefon.

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Gestern war es nicht nötig, aber die Möglichkeit, auch ohne Kontakt zum www die Position mit GPS zu bestimmen, hat mir neulich in der Eifel echt geholfen.

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In Wermelskirchen war es für den Radweg zu spät, denn hier wird die Bahntrasse längst für die Bundesstraße genutzt. Das nahm ich zum Anlass, die Strecke für diesmal zu verlassen und via Schloss Burg herunter ins Tal der Wupper zu fahren. Da ging es wiederholt über Stock & Stein. Nett war es trotzdem.

Erst auf dem Heimweg kam ich am derzeitigen Startpunkt der Trasse vorbei.
Über diese noch gut erhaltene Überführung soll die Asphaltdecke ab 2018 direkt zum Bahnhof führen:
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Bis dahin ist die parallele Abzweigung für Fahrräder nicht geeignet. Der Streckenbeginn liegt aktuell gut versteckt im Walde:
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Demnächst werde ich sicher die Gesamtstrecke erkunden, und zwar, indem ich ganz faul mit der RB bis zum Endpunkt Marienheide fahre, und von dort tendenziell immer bergab...

Natürlich war der „Balkan“ schon wiederholt Thema im HiFo des dso. Beiträge mit noch sichtbaren Bildern gibt es zum Beispiel

hier https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,6254071,6254071#msg-6254071
und hier https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,4979686,4979686#msg-4979686
und hier https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,6547467,6547467#msg-6547467

_________________
Gruß vom Rhein
Heiner

Anlagen: Lieber eine große als sieben mittlere
Bahnhöfe: Lieber fünf mittlere als einen sehr großen


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